Beim Dropshipping verkaufst du Produkte in deinem Onlineshop, ohne sie selbst auf Lager zu haben oder zu versenden. Stell dir zum Beispiel vor, du bietest Handyhüllen in deinem Shopify-Shop an. Eine Kundin bestellt eine Hülle für 60 € bei dir und bezahlt den Kaufpreis an dich. Anschließend kaufst du die Hülle für 25 € bei deinem Lieferunternehmen. Dieses schickt das Produkt nicht erst zu dir, sondern direkt an deine Kundin.
Du kümmerst dich also um den Verkauf, während dein Lieferunternehmen die Ware lagert und direkt an deine Kundschaft verschickt. Wie bei anderen gewerblichen Tätigkeiten fallen auch bei diesem Geschäftsmodell Steuern an. Welche Regeln gelten, hängt beim Dropshipping unter anderem davon ab, wie deine Lieferkette aufgebaut ist, welchen Weg die Ware nimmt und welche Länder daran beteiligt sind. Genau diese Punkte solltest du deshalb von Anfang an im Blick behalten.
Welche Steuern fallen beim Dropshipping an?
Mit einem Dropshipping-Business kommen verschiedene Steuerarten auf dich zu, darunter Einkommensteuer, Gewerbesteuer und Umsatzsteuer. Verkaufst du Waren aus einem Nicht-EU-Land, kann außerdem Einfuhrumsatzsteuer anfallen.
1. Einkommensteuer beim Dropshipping
Mit deinem Dropshipping-Shop möchtest du Gewinne erzielen. Genau diese Gewinne sind für die Einkommensteuer relevant. Dabei versteuerst du nicht deinen gesamten Umsatz, sondern das, was nach Abzug deiner betrieblichen Ausgaben übrig bleibt. Dazu zählen beim Dropshipping zum Beispiel die Kosten für deine Produkte, Lieferkosten oder Werbung.
Ein einfaches Beispiel zur Veranschaulichung:
30.000 € Einnahmen − 15.000 € Produktkosten − 2.000 € Lieferkosten − 3.000 € Werbekosten = 10.000 € Gewinn
Wie viel Einkommensteuer du tatsächlich zahlst, hängt von deinem gesamten zu versteuernden Einkommen ab. 2026 liegt der Grundfreibetrag bei 12.348 €. Bis zu diesem Betrag fällt auf dein zu versteuerndes Einkommen keine Einkommensteuer an. Das Finanzamt kann außerdem Einkommensteuervorauszahlungen festsetzen.
Wichtig: Welche Steuer auf deinen Gewinn anfällt, hängt auch von deiner Rechtsform ab. Betreibst du dein Dropshipping-Business als Einzelunternehmen, zahlst du darauf Einkommensteuer. Bei Kapitalgesellschaften wie einer UG oder GmbH fällt stattdessen Körperschaftsteuer an.
2. Gewerbesteuer beim Dropshipping
Wenn du Produkte einkaufst und mit dem Ziel weiterverkaufst, Gewinn zu machen, betreibst du grundsätzlich ein Gewerbe. Das hat zwei Konsequenzen:
- Du musst dein Dropshipping-Business als Gewerbe anmelden.
- Für deinen Dropshipping-Shop kann neben der Einkommensteuer auch Gewerbesteuer anfallen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass du vom ersten Euro an Gewerbesteuer zahlst. Als Einzelunternehmer:in steht dir auf deinen Gewerbeertrag ein Freibetrag von 24.500 € pro Jahr zu. Bleibst du darunter, fällt keine Gewerbesteuer an. Liegt dein Gewerbeertrag darüber, wird Gewerbesteuer relevant. Wie hoch sie ausfällt, hängt unter anderem vom Hebesatz deiner Gemeinde ab. Als Einzelunternehmer:in kannst du die Gewerbesteuer außerdem auf deine Einkommensteuer anrechnen lassen und so deine Steuerbelastung senken.
3. Umsatzsteuer beim Dropshipping
Bei der Umsatzsteuer spielt die besondere Lieferkette deiner Dropshipping-Verkäufe eine wichtige Rolle. Denn du verkaufst ein Produkt an deine Kundschaft, obwohl die Ware nicht bei dir liegt. Stattdessen bestellst du sie anschließend bei deinem Lieferunternehmen, das sie direkt an deine Kundschaft verschickt.
Gut zu wissen: Im Alltag wird die Umsatzsteuer häufig auch als Mehrwertsteuer bezeichnet. Was du dazu bei Verkäufen innerhalb der EU beachten solltest, erfährst du in unserem Ratgeber Mehrwertsteuer beim Dropshipping.
Schau dir noch einmal die Handyhülle aus dem ersten Beispiel an. Deine Kundin bestellt die Hülle in deinem Shopify-Shop. Du kaufst sie anschließend beim Lieferunternehmen und lässt sie direkt an die Kundin schicken. Dadurch entstehen zwei aufeinanderfolgende Liefergeschäfte, obwohl die Ware nur einmal transportiert wird. Umsatzsteuerlich kann eine solche Lieferkette ein sogenanntes Reihengeschäft sein.
Bei einem Reihengeschäft muss dieser eine Transport einem der beiden Liefergeschäfte zugeordnet werden. Welche Lieferung das ist, hängt vor allem davon ab, wer die Ware selbst transportiert oder den Versand beauftragt. Daran knüpft das Umsatzsteuerrecht die Zuordnung der Warenbewegung. Die zugeordnete Lieferung heißt bewegte Lieferung, die andere ruhende Lieferung.
Nimm für das Beispiel an, dass dein Lieferunternehmen den Transport veranlasst. Dann sieht die Lieferkette so aus:
| Schritt | Was passiert? | Was bedeutet das für die Umsatzsteuer? |
|---|---|---|
| 1. Deine Kundin bestellt bei dir | Du verkaufst die Handyhülle für 60 € an deine Kundin. Die Ware liegt zu diesem Zeitpunkt beim Lieferunternehmen. | Zwischen dir und deiner Kundin entsteht das erste Liefergeschäft. |
| 2. Du bestellst beim Lieferunternehmen | Du kaufst die Handyhülle für 25 € beim Lieferunternehmen und gibst die Lieferadresse deiner Kundin an. | Damit entsteht das zweite Liefergeschäft. |
| 3. Das Lieferunternehmen veranlasst den Versand | Die Handyhülle wird direkt vom Lieferunternehmen zur Kundin geschickt. | Weil das Lieferunternehmen den Transport veranlasst, wird die Warenbewegung seiner Lieferung an dich zugeordnet. Sie ist die bewegte Lieferung. |
| 4. Deine Kundin erhält die Ware | Die Hülle kommt bei deiner Kundin an, ohne vorher zu dir zu reisen. | Deine Lieferung an die Kundin ist die ruhende Lieferung. Insgesamt gab es zwei Liefergeschäfte, aber nur eine Warenbewegung. |
Diese Zuordnung bestimmt, wo deine eigene Lieferung umsatzsteuerlich stattfindet und welche Umsatzsteuerregeln dafür gelten. Für deinen Dropshipping-Shop solltest du deshalb nicht nur wissen, wo die Ware startet und endet. Du musst auch klären, wer den Transport veranlasst und welcher Lieferung die Warenbewegung dadurch zugeordnet wird. Wie sich das konkret auf deine Umsatzsteuer auswirkt, hängt anschließend davon ab, ob die Ware innerhalb Deutschlands, innerhalb der EU oder aus einem Nicht-EU-Land verschickt wird.
Wann gelten welche Umsatzsteuerregeln?
Welche Regeln für deinen Dropshipping-Verkauf gelten, hängt nun vor allem davon ab, wo die Ware startet und wo sie bei deiner Kundschaft ankommt. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Regeln für den typischen Verkauf an Privatkund:innen.
Aufgepasst: Verkaufst du an Unternehmen, können andere Umsatzsteuerregeln gelten.
| Dein Dropshipping-Fall | Was bedeutet das für die Umsatzsteuer? | Das solltest du beachten |
|---|---|---|
| 1. Die Ware bleibt in Deutschland | Befinden sich Lieferunternehmen und Kundschaft in Deutschland und bleibt auch die Ware in Deutschland, gelten die deutschen Umsatzsteuerregeln. | Unterliegst du der regulären Umsatzbesteuerung, berechnest du auf deine steuerpflichtigen Umsätze deutsche Umsatzsteuer. Der reguläre Umsatzsteuersatz beträgt 19 %, für bestimmte Waren gilt der ermäßigte Satz von 7 %. |
| 2. Die Ware wird innerhalb der EU verschickt | Wird die Ware von einem EU-Land an Privatkund:innen in einem anderen EU-Land verschickt, kann ein innergemeinschaftlicher Fernverkauf vorliegen. Dann fällt die Umsatzsteuer dort an, wo der Versand endet. | Für bestimmte grenzüberschreitende Leistungen und innergemeinschaftliche Fernverkäufe gilt zusammen eine EU-weite Umsatzschwelle von 10.000 €. Oberhalb dieser Schwelle gilt die Umsatzsteuer des Bestimmungslandes. |
| 3. Die Ware kommt aus einem Nicht-EU-Land | Schickt dein Lieferunternehmen die Ware zum Beispiel direkt aus China an deine Kundschaft in der EU, wird sie in die EU eingeführt. Damit kann Einfuhrumsatzsteuer anfallen. | Kläre, wer die Ware einführt und die Einfuhrabgaben trägt.
Gut zu wissen: Seit dem 1. September 2026 gilt für entsprechende Sendungen bis 150 € außerdem ein pauschaler Zoll von 3 € pro Warenkategorie. |
Wichtig bei Lieferungen innerhalb der EU: Die 10.000-€-Schwelle gilt nicht für jedes Zielland einzeln. Sie umfasst deine innergemeinschaftlichen Fernverkäufe und bestimmte weitere grenzüberschreitende Leistungen innerhalb der EU zusammen. Die 10.000-€-Schwelle gilt außerdem nicht für Waren, die direkt aus einem Nicht-EU-Land in die EU verschickt werden. Kommt deine Handyhülle also direkt aus China zu einer Kundin in Deutschland oder Frankreich, handelt es sich nicht um einen innergemeinschaftlichen Fernverkauf.
4. Einfuhrumsatzsteuer beim Dropshipping
Kommt deine Ware aus einem Nicht-EU-Land wie China und wird in die EU eingeführt, kann Einfuhrumsatzsteuer anfallen. In Deutschland beträgt sie 19 %, für bestimmte Waren gilt der ermäßigte Satz von 7 %. Eine allgemeine Freigrenze für Waren mit geringem Wert gibt es seit 2021 nicht mehr.
Für dein Dropshipping-Business ist vor allem wichtig, wie die Einfuhr abgewickelt wird. Nur weil dein Lieferunternehmen die Ware direkt an deine Kundschaft verschickt, übernimmt es nicht automatisch auch die Einfuhrumsatzsteuer. Kläre deshalb mit deinem Liefer- und Versandunternehmen, wer die Ware zur Einfuhr anmeldet und wer die Einfuhrumsatzsteuer trägt. So kannst du auch vermeiden, dass deine Kundschaft bei der Zustellung unerwartet zusätzliche Kosten zahlen muss.
Bist du zum Abzug der Vorsteuer berechtigt und erfüllst die entsprechenden Voraussetzungen, kannst du die von dir entrichtete Einfuhrumsatzsteuer als Vorsteuer abziehen.
Was gilt für Kleinunternehmer:innen beim Dropshipping?
Auch als Kleinunternehmer:in kannst du ein Dropshipping-Business betreiben. Nach der Kleinunternehmerregelung gemäß § 19 UStG sind deine entsprechenden Umsätze grundsätzlich von der Umsatzsteuer befreit, wenn dein Gesamtumsatz im Vorjahr höchstens 25.000 € betrug und im laufenden Jahr 100.000 € nicht überschreitet. Gründest du dein Unternehmen neu, gilt im Gründungsjahr eine Umsatzgrenze von 25.000 €. Im Gegenzug kannst du keine Vorsteuer abziehen.
Gerade beim internationalen Dropshipping solltest du allerdings genauer hinschauen. Die Kleinunternehmerregelung bedeutet nicht, dass bei grenzüberschreitenden Geschäften automatisch keine Umsatzsteuer anfällt. Auch als Kleinunternehmer:in kann zum Beispiel Einfuhrumsatzsteuer entstehen, wenn du Waren aus einem Nicht-EU-Land einführst. Kannst du diese nicht als Vorsteuer abziehen, wird sie für dein Dropshipping-Business zum tatsächlichen Kostenfaktor.
Lesetipp: Du möchtest genauer wissen, wann die Kleinunternehmerregelung gilt, welche Steuern du trotzdem zahlen musst und was es bei der Umsatzsteuer zu beachten gibt? Alle wichtigen Informationen findest du in unserem Ratgeber Steuern zahlen als Kleinunternehmer:in.
Steuern beim Dropshipping: Von Anfang an gut vorbereitet
Gerade für frischgebackene Unternehmer:innen ist Dropshipping ein praktisches Geschäftsmodell: Du brauchst kein eigenes Lager und kannst Produkte verkaufen, ohne sie selbst zu versenden. Die besondere Lieferkette bringt dafür einige steuerliche Fragen mit sich. Sobald du aber weißt, wer an wen verkauft, welchen Weg deine Ware nimmt und welche Länder beteiligt sind, kannst du auch Einkommensteuer, Gewerbesteuer, Umsatzsteuer und Einfuhrumsatzsteuer richtig einordnen. Damit ist der wichtigste Schritt geschafft und du kannst dich auf das konzentrieren, worum es beim Dropshipping eigentlich geht: deinen Shop aufbauen, Kund:innen gewinnen und dein Business weiterentwickeln.
FAQ: Steuern beim Dropshipping
Welche Steuern musst du beim Dropshipping zahlen?
Beim Dropshipping können vor allem Einkommensteuer, Gewerbesteuer und Umsatzsteuer anfallen. Importierst du Waren aus einem Nicht-EU-Land, kann zusätzlich Einfuhrumsatzsteuer entstehen.
Musst du beim Dropshipping Umsatzsteuer zahlen?
Grundsätzlich kann beim Dropshipping Umsatzsteuer anfallen. Welche Regeln gelten, hängt vor allem davon ab, wo die Ware startet und endet, wer den Transport veranlasst und welche Länder an der Lieferkette beteiligt sind. Bleibt die Ware beispielsweise innerhalb Deutschlands, gelten die deutschen Umsatzsteuerregeln. Bei Lieferungen innerhalb der EU oder aus einem Nicht-EU-Land können dagegen andere Regeln greifen. Für Kleinunternehmer:innen gelten besondere Vorgaben.
Wie funktioniert die Umsatzsteuer beim Dropshipping?
Beim Dropshipping gibt es häufig zwei aufeinanderfolgende Liefergeschäfte, obwohl die Ware nur einmal transportiert wird: Das Lieferunternehmen verkauft die Ware an dich und du verkaufst sie an deine Kundschaft. Umsatzsteuerlich muss die Warenbewegung einem dieser Geschäfte zugeordnet werden. Welche Lieferung als bewegte und welche als ruhende Lieferung gilt, beeinflusst unter anderem, wo deine Lieferung steuerpflichtig ist und welche Umsatzsteuerregeln dafür gelten.
Wer zahlt beim Dropshipping die Einfuhrumsatzsteuer?
Wird eine Ware aus einem Nicht-EU-Land in die EU eingeführt, kann Einfuhrumsatzsteuer anfallen. Wer sie trägt, hängt davon ab, wer die Einfuhr übernimmt und wie der Versand vereinbart wurde. Deshalb solltest du mit deinem Liefer- und Versandunternehmen klären, wer die Ware einführt und die Einfuhrabgaben bezahlt. Sonst kann es passieren, dass deine Kundschaft bei der Zustellung unerwartet zusätzliche Kosten zahlen muss.
Wie versteuerst du Dropshipping aus China?
Verkaufst du Waren, die dein Lieferunternehmen direkt aus China an deine Kundschaft in der EU schickt, gelten zunächst die allgemeinen Steuern für dein Dropshipping-Business, etwa Einkommensteuer und gegebenenfalls Gewerbesteuer. Für die konkrete Lieferung musst du zusätzlich die Umsatzsteuer und bei der Einfuhr Einfuhrumsatzsteuer berücksichtigen. Entscheidend sind dabei deine Lieferkette, der Warenweg und die Frage, wer die Einfuhr übernimmt.
Kannst du Dropshipping als Kleinunternehmer:in betreiben?
Ja. Erfüllst du die Voraussetzungen nach § 19 UStG, kannst du die Kleinunternehmerregelung auch für dein Dropshipping-Business nutzen. Deine entsprechenden Umsätze sind dann von der Umsatzsteuer befreit, dafür kannst du keine Vorsteuer abziehen. Bei internationalen Geschäften können trotzdem Umsatzsteuerpflichten entstehen. Auch Einfuhrumsatzsteuer kann anfallen und für dich zum Kostenfaktor werden.
*Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine professionelle Rechtsberatung dar. Bitte konsultiere eine unabhängige Rechtsberatung für Informationen, die spezifisch für dein Land und deine Umstände sind. Shopify haftet in keiner Weise für deine Verwendung oder dein Vertrauen in diese Informationen.




